The Kills

Album: Blood Pressures

VÖ: 01.04.11

Single: Future Starts Slow

Label: Domino Rec.

 

 

Verträumt und fiebrig, hooklastig und repetitiv, obsessiv und klaustrophobisch – diese Attribute beschreiben ‚Blood Pressures’, das vierte Album von The Kills. „Obsessiv und klaustrophobisch?“, wiederholt Jamie Hince: „Hm, das gefällt mir. Nachdem die Platte fertig war, redeten Alison und ich über das Thema: Es geht viel um Geschlechter, um Beziehungen; es handelt von Sex – daher Blood Pressures – Blutdrucke.“

„Im Moment würde ich sagen, dass es eine ziemlich düstere Platte ist“, meint Alison Mosshart. „Die Texte sind ein bisschen verdreht. Ich glaube, das sage ich über jede Platte, die ich aufgenommen habe. Wahrscheinlich sind wir beide obsessive Menschen. Besessen davon, was wir lieben, und vielleicht sogar noch besessener davon, was wir hassen. Ich muss diese Platte live spielen um herauszufinden, was sie wirklich ist und was sie wirklich kommuniziert.“

Im Gegensatz zu ‚Midnight Boom’ (2008) ist das neue Album eine Rückkehr zum Markenzeichen der Band, dem düsteren Gitarrenrock mit unerwarteten Wendungen. „Die Musik hat sich verändert, weil Alison einen großen Teil des letzten Jahres mit The Dead Weather auf Tour war“, fährt Jamie fort. „Ich empfand es als ausgesprochen befreiend, ihre Ideen zu nehmen und musikalisch zu verändern. ‚The Last Goodbye’ zum Beispiel entwickelt sich aus einem 4/4- zu einem Walzertakt.“

„The Dead Weather sind eine ganz andere Art von Band“, stimmt Alison zu. „Zum einen sind sie ein Quartett, bei dem jede Menge abläuft, und alles entwickelt sich sehr spontan. Für mich war es ungewohnt, nicht zu wissen, was als nächstes auf der Bühne passiert, nachdem ich daran gewöhnt bin, mit einer Drum-Maschine aufzutreten. Von daher glaube ich, dass ich meine Stimme nun besser als Instrument einsetzen kann, um Klänge und Geräusche zu erzeugen, die es mit Gitarren und Feedback aufnehmen können, anstatt nur die Texte herunterzusingen.“

‚Blood Pressures’ wurde in den Key Club Studios in Benton Harbor, Michigan, aufgenommen. Jamie: „Es war ein richtiges zweites Zuhause, ohne jede Ablenkung. Ich habe mich auf Sampling und Programming gestürzt und viel Zeit mit Drumkits verbracht. Als wir das Album aufnahmen, besuchte ich den Musikraum einer Schule: Bist du je in einem amerikanischen Musikraum gewesen? Die sind unglaublich riesig, mit ganzen Wänden voller unterschiedlicher Trommeln. Und ich habe jede einzelne ausprobiert.“

„Am Anfang war es ziemlich mühsam, die Drums zu programmieren. Wenn ich kein Kontrollfreak wäre, würde ich das nicht machen. Aber sobald ich mit etwas anfange, bin ich davon wie besessen. Ich mag dieses Techno-Feeling, und es kommt noch besser vor einem wirklich starren Backbeat, der sich nicht beschleunigt oder verlangsamt. Ich mag diese Spannung, und ich mag die verschiedenen Richtungen, in die Drums sich entwickeln können.“

Der Sound von ‚Blood Pressures’ ist sowohl technisch wie elementar: hypnotische, sich wiederholende Strukturen werden durch C21-Studiotechniken, psychedelische Einsprengsel und leidenschaftliche Vocals von Alison und Jamie verstärkt. In ‚Nail In My Coffin’ ist ein Keyboard – Optigan genannt – zu hören, das an ein Mellotron aus den frühen Siebzigern erinnert und von dem der Bassdrum-Sound für einen Großteil des Albums gesampelt wurde: „Es soll wie Saiten klingen“, sagt Jamie. „Ich habe die Windgeräusche einfach durch ein Tape-Echo von 1965 gezogen.“

The Kills’ Arbeitsbeziehung basiert auf einer echten Kollaboration, wobei Alison und Jamie Textzeilen, Vocal Parts – wie beim Opener ‚Future Starts Slow’ – sowie Beats und Melodien austauschen. „Ich habe in einer Menge Bands gespielt und viel zu viel darüber nachgedacht”, sagt Jamie, “dabei ist es besser, sich davon freizumachen. Alison hilft mir sehr dabei. Ich selbst tendiere dazu, viel zu lange für alles zu brauchen; sie zwingt mich dazu, spontaner zu sein.“

„An manchen Tagen bilde ich mir ein, wir wären Zwillinge”, verkündet Alison. „An anderen sind wir uns überhaupt nicht ähnlich. Wir haben uns zusammengetan, weil wir dieselben Dinge ‚mochten’. Wir hatten so vieles gemeinsam in Sachen Kunst und Musik. Wir sind beide sehr ungeduldig. Wir sind beide sehr begeisterungsfähig, aber Jamie ist ein Perfektionist. Er gibt nicht auf, bis etwas genau so ist, wie er es sich vorgestellt hat. Ich bin da anders. Ich liebe den Augenblick, den Schnappschuss, den Zufall. Oh, und ich bin Amerikanerin, und er ist Engländer … das kommt auch noch dazu.“

Diese Arbeitsbeziehung spiegelt sich besonders in den beiden Songs im Zentrum des Albums, der exquisiten Ballade ‚Wild Charms’ – gesungen von Jamie – und dem brütenden, von Alison gesungenen ‚DNA’ –, die beide Bilder von sich gegenseitig verzehrenden Feuern wecken. „Manchmal setzt man sich hin, um etwas zu schreiben, und es kommt etwas ganz anderes dabei heraus. Die beiden Songs ergänzen sich: ‚Wild Charms’ wurde aus einem Blickwinkel geschrieben, und ‚DNA’ aus einem anderen”, erklärt Alison.

„Wir schreiben unsere Stücke immer jeder für sich, nur selten arbeiten wir zusammen von Anfang bis Ende an einem Song”, sagt Alison. „Man könnte sagen, dass ich Melodie und Text auf einer Akustikgitarre schreibe, und dann nimmt Jamie die Nummern, die er mag, und arbeitet damit, schreibt richtige Musik dazu und bringt sie in Form. Seine eigenen schreibt er von Anfang bis Ende selbst. Ich glaube, dass er von seinen Songs ganz schön gepeinigt wird. Meistens höre ich sie erst in einem ziemlich späten Stadium. Er kann ziemlich geheimnistuerisch sein. Ich versuche, ihm bei den Texten zu helfen, aber häufig beschränkt sich mein Beitrag auf ein paar fehlende Zeilen.“

„Der Text zu ‚DNA’ stammt von Jamie. In der Sekunde, als er die letzte Zeile fertig hatte, sang ich ihn auch schon im Studio ein. Ich glaube, das war am letzten Abend. Ich liebe diesen Song sehr. Der Text von ‚The Last Goodbye’ ist von mir: Das ging richtig schnell. Eins dieser Stücke, bei denen der Text wie von selbst entsteht und auf einmal aus dem Nichts zu kommen scheint. Jamie hörte ihn und beschloss, dass eine Optigan-Orgel am besten dazu passen würde. So hat er etwas ganz Besonderes daraus gemacht.“

Alisons Texte sind durchweg eine Offenbarung und erinnern an alte Blues-Phrasierungen, die dann weiterentwickelt werden. „How can I rely on my heart“, singt sie in ‚The Last Goodbye’, „if I break it with my own two hands. “ Hier wandelt sich trotziges Statement schnell zu brutaler Selbstbetrachtung und ehrlichen Geständnissen: „I am no better at this than you are“ (‚Nail In My Coffin’).

„Der Blues ist auf jeden Fall eine Inspiration“, stimmt sie zu: „Ich glaube, jedes Musikstück, das ich liebe und das wirklich zu mir spricht, ist Blues oder zumindest irgendwie durch den Blues inspiriert. Blues höre ich mir nie leid. Ich fühle eine ständige Verbundenheit mit dem Blues.“

„Alison ist eine sehr produktive Texterin, sie hat stapelweise Texte“, sagt Jamie. Und sie ist in dieser Art von Musik verwurzelt. „Das ist der Sound, den sie mag. Ich selbst bin erst später darauf gekommen. Sie findet immer noch neue Elemente im Blues, und die Arbeit mit Jack White hat die Sache für sie noch spannender gemacht. Nach ‚Midnight Boom’ fühlte ich mich etwas frustriert, und der Blues ist ein perfektes Gegengewicht dazu, herumzurennen und darüber nachzudenken, Compass Point und Grace Jones zu reproduzieren.“

Dieser Eindruck von Beständigkeit ist kombiniert mit einer sehr zeitgenössischen Herangehensweise. Neben den Techno-Schnörkeln – zu Beginn der ersten Single ‚Satellite’ zum Beispiel – ist Jamies Gitarrensound stark bearbeitet worden: „Die Gitarrenparts klingen wirklich ziemlich geschliffen. Ich habe sieben Verstärker in verschiedenen Räumen eingesetzt, alle mit unterschiedlichen Frequenzen, um diesen brutalen Sound hinzubekommen. Dabei habe ich Octave Pedals und sehr altes Equipment benutzt – das Ergebnis klingt ein bisschen futuristischer.“

Zu den Künstlern, die Jamie momentan als Inspirationen zitiert, zählen Link Wray, Little Milton („der Beginn des R&B“), Dave Bartholomew (Fats Dominos Arrangeur/ Produzent) und Captain Beefheart („Er haute mich als Teenager total um, und ich war am Boden zerstört, als ich von seinem Tod erfuhr”). „Außerdem habe ich Reggae gehört: Dazu haben mich Grace Jones, Sly and Robbie und Peter Tosh gebracht. Das war die letzte musikalische Bastion, die ich noch nicht erkundet hatte.“ Jamies Liebe zum Reggae ist unverkennbar aus den mutierten Rhythmen der ersten Singleauskoppelung ‚Satellite’ herauszuhören.

Obwohl sie hervorragend vernetzt sind, haben The Kills beschlossen, ihrer eigenen Vision zu folgen: Wie Jamie über die Aufnahmen im Key Club in Michigan sagt – ganz ohne Ablenkung: „Diese Isolation war toll. Man hebt richtig ab, wenn man den ganzen Tag Musik macht. Man bekommt überhaupt nicht mit, was im Rest der Welt vor sich geht – das gefällt mir.“

Es ist diese kompromisslose Qualität, die ihnen die Bewunderung junger Gruppen eingebracht hat. Jamies Reaktion darauf: „Dass XX uns als Einfluss zitieren! Sie wollen UNS kennenlernen? Das finde ich phänomenal. Wir haben eine Menge aufgegeben, um es auf unsere Art zu schaffen. Manche unserer Sachen funktionieren, andere nicht. Aber es gibt nicht viele Bands, die dieses Feeling haben und ihre Musik über sechs oder sieben Alben entwickeln. Und man findet nicht viele Labels, die das unterstützen.“

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