Sinéad O’Connor

Album „ How About I Be Me (And You Be You)
VÖ: 24.02.2012
Single: The Wolf Is Getting Married
VÖ: Februar 2012
Label: One Little Indian
Vertrieb: Roughtrade

Sinead O’Connor war schon immer unverkennbar. Eine Stimme geboren, um gleichermaßen Herzen wie Gläser zu zersprengen, so sanft wie auch kritisch. Ein Gesicht, zugleich Engel mit ozeantiefen Augen und kurzgeschorene Kriegerkönigin. Ein Temperament, couragiert in ihren Ansichten, unerschrocken angesichts Kontroversen und gefestigt mit endlosen Reserven an Widerstandsfähigkeit. Sinead O’Connor ist die Ausnahme in der Popmusik: sie ist absolut einzigartig. Von ihrem 1987er Breakthrough mit ‚Madinka‘, bis zu ihrem weltweiten Erfolg mit I Do Not Want What I Haven’t Got von 1990, das mehrfach mit Platin ausgezeichnet wurde, und der darauf enthaltenen unvergesslichen Nummer-Eins-Version von Princes ‚Nothing Compares 2 U‘, von ihrem wagemutigen Ausbruch aus dem Genre zum Irish Folk und Roots Reggae, bis zu ihren Kollaborationen mit den unterschiedlichsten Künstlern, wie Peter Gabriel, Massive Attack und The Chieftans, ging O’Connor stets ihren eigenen Weg, was sie schließlich zur bekanntesten irischen Künstlerin der letzten 30 Jahre machte. Es gibt niemanden wie Sinead O’Connor. Es gibt nur Sinead O’Connor.

Für den Fall, dass die Welt tatsächlich vergessen haben sollte, wer Sinead O’Connor ist, wird sie hier nochmals daran erinnert. 25 Jahre nach ihrem Debut von 1987 The Lion And The Cobra kehrt sie mit How About I Be Me (And You Be You) zurück, ihrem neunten Studioalbum. Die Art von atemberaubender Leistung würdig ihres 25-jährigen Jubiläums. Produziert von ihrem langjährigen Kollaborateur John Reynolds, reihen sich diese zehn Songs, wie ein enzyklopädisches Abbild von O’Connors Lebenswerk aneinander – Songs über Liebe und Verlust, Hoffnung und Reue, Schmerz und Erlösung, Wut und Gerechtigkeit. „Ich merkte irgendwie, dass mir eine lange Zeit meines Lebens als Künstlerin immer wieder gesagt wurde wie ich zu sein hätte“, so O’Connor zum Titel des Albums. „Man sagte mir, ich solle so sein, ich solle das tun, ich solle dies nicht tun. Man erreicht dann ein gewisses Alter und stellt fest, halt mal, es ist völlig OK, dass ich ich bin, vielen Dank, und du, du sei wie du bist. Aber das ist eine ziemlich irische Sache. Es ist in Wirklichkeit ein Statement zu Irland und was es heißt, eine irische Künstlerin zu sein, und insbesondere DIESE irische Künstlerin.“

Den Anfang macht O’Connor als frivole, angehende Braut mit dem ansteckenden Schwof von ‘4th & Vine’; oder wie sie mit einem Zwinkern im Auge sagt, „einer der zahlreichen ‚girlie‘ Songs auf dem Album. Es gibt ziemlich viele Lieder über Liebe auf diesem Album. Nicht absichtlich, aber ich freue mich darüber, da ich bisher nie wirklich Liebeslieder geschrieben habe.“ Gleiches gilt für das mitreißende ‘Old Lady’, eine ironische Punk-Ballade, die sie über ihren Schwarm Neil Jordan, ein langjähriger Freund und Crying Game Regisseur, geschrieben hat. Das heitere ‘The Wolf Is Getting Married’ ist “ein weiteres Lied über Frauenbelange“, so O’Connor. „Den Titel wollte ich schon seit Jahren benutzen. Als ich in London lebte, fuhr ich eines Tages mit dem Taxi und unterhielt mich mit dem jungen, muslimischen Fahrer. Der Himmel war völlig grau, nur ein schmaler blauer Streifen schien durch die Wolken. Er erzählte mir, dass man in arabischen Ländern dazu sagt, dass ‚der Wolf heiratet’. So als ob er auf seinem Weg zur Hochzeit lächeln würde. Ich fand das eine wunderschöne Bezeichung.“

O’Connor schreibt gern aus der Perspektive anderer, wie beim hinreißenden ‘Back Where You Belong’, eine Liebeserklärung eines im Krieg umgekommenen Vaters an seinen Sohn, das sie ursprünglich 2007 für den Kinder Fantasy Film The Water Horse geschrieben hatte. „Es gibt mehrere Songs auf dem Album, die aus der Sicht einer anderen Person erzählt sind“, erklärt O’Connor, „nicht unbedingt einer meiner Persönlichkeiten, aber einem Teil von mir.“ Ähnlich pathetisch ist der raunende Techno-Pulsschlag von ‘I Had A Baby’, gesungen aus der Sicht eines alleinerziehenden Elternteils. „Das ist ein Thema, über das die Leute nicht wirklich Lieder schreiben. Obwohl Elternlosigkeit so eine große Sache in der Welt ist, hört man nur selten darüber in einem Popsong. Die Person ist eine Frau, die von ihrem Kind singt, dass sie mit einem verheirateten Mann hatte, der sich dazu entschied nichts mit dem Kind zu tun zu haben. Und mal ehrlich, wie muss das für das Kind sein und für die Mutter. Wie schmerzhaft das sein muss.“

Das Thema Schmerz, emotional und physisch, taucht immer wieder auf. Das bezaubernde ‘Very Far From Home’ ist eine persönliche Katharsis über die Einsamkeit des Lebens auf Tour, geschrieben und gesungen von einer Mutter von vier Kindern. „Auf Tour kann ich mich sehr einsam fühlen“, gesteht O’Connor. „Es ist lustig, ich bin eine starke Person, aber wir vereinen eben alle Widersprüche in uns, und ich bin gleichzeitig auch sehr verletzlich. Wenn ich nicht mein Zuhause, meine Kinder und alle die Dinge um mich habe, die mich auf dem Boden bewahren, kann mich das um die Welt reisen ganz schön verrückt machen. Wenn du von Zuhause weg bist, fühlst du dich schuldig. Du bist einsam, du bist in Ostend, oder sonst wo und du denkst dir irgendwie ‚was soll das alles’!?“

Auf ‘Reason With Me’ begibt sich O’Connor noch weiter ins Dunkle. Auslöser waren sehr persönliche Erzählungen davon, wie Sucht ein Leben zerstören kann. „Zu diesem Song wurde ich durch diesen Typen inspiriert, den ich in Irland traf und der sein Leben lang ein Heroinsüchtiger gewesen war und dachte, dass er ein Haufen Dreck sei. Dann sah ich ihn sechs Monate später und da war dieser selbe Typ, der sich aufgerafft und sein Leben in die Hand genommen hatte, und da war dieses leuchten in seinen Augen. Er war ein völlig anderer Mensch. Diese Last war von ihm abgefallen. Er war noch lange nicht kuriert, aber er war glücklich und hoffnungsvoll. Der Song fasst das zusammen.“

Die einzige Coverversion auf dem Album ist ‘Queen Of Denmark’, John Grants kompromissloser Laufpass an eine Geliebte. Hier wird O’Connor erneut ihrem Ruf gerecht, Stücke andere Songwriter stimmgewaltig und originell zu interpretieren. „Es ist ein Lied darüber sich sein Selbstbewusstsein zurückzuholen und ich liebe diese Wut darin“, begeistert sie sich. „Ich kannte John vorher nicht, aber durch meine Interpretation des Songs wurden wir zu Freunden. Er hat diese großartige Fähigkeit seinen Zorn auf sehr witzige Weise auszudrücken.“

Die dramatischen Höhepunkte des Albums sind zweifellos die beiden Songs, die O’Connors leidenschaftlicher Reaktion auf den Murphy Report von 2009 entsprangen. Eine Untersuchung der irischen Regierung von Fällen institutionalisierten Missbrauchs von Kindern innerhalb des katholischen Schulsystems des Landes und die Verschleierung auf höchstem Level der Kirche. Auf ‘Take Off Your Shoes’ wird O’Connor zum Sprachrohr für, was sie als „der heilige Geist mit einer AK 47 im Zug auf dem Weg zum Vatikan“ beschreibt. Als eine der wortstärksten Aktivisten gegen die versuchte Verschleierung, war es O’Connor eine dringliche Angelegenheit ihrem Glauben in einem Lied Ausdruck zu verleihen. „Ich mochte diesen Gedanken, [den Vatikan] zu Tode zu ängstigen“, erklärt sie. „Was mich wütend macht und ein bisschen zu einem Soldat, ist, dass ich nicht möchte, dass der heilige Geist geschändet wird. Denn so kommt mir das vor. Das sie keinen Respekt für den heiligen Geist haben, wenn sie in seiner Gegenwart zu Vergewaltigungen von kleinen Jungen lügen können und diese Verbrechen vertuschen. Und dann brauchen sie keine zwei Minuten um Harry Potter als böse zu verurteilen.“

Was uns zum fesselnden und hymnischen Finale bringt, ‘VIP’, auf dem O’Connor sich an ihre international erfolgreichen, irischen Musikerkollegen wendet, die zu eingeschüchtert sind, um einzugreifen und gemeinsam am Papststuhl zu rütteln. „Wir hatten eine große Tradition in der irischen Geschichte von Künstlern, die einen wichtigen Teil zur Entstehung dieser Geschichte und der Entwicklung in unserer Gesellschaft beigetragen haben“, erklärt sie. „Sie waren sehr in das politische Geschehen involviert und gut die Hälfte von ihnen wurde ins Exil gedrängt, weil sie die Gesellschaft herausforderten. Schriftsteller wie Edna O’Brien, J.M. Synge, sogar James Joyce. Heutzutage hat man diese Kultur in Irland, in der die Künstler aufgehört haben sich für irische Belange zu interessieren und ich finde das sehr, sehr herzzerreißend, vor allem was den Murphy Report angeht.“

„Ich habe versucht“, fährt sie fort, „eine Menge weltweit enorm erfolgreicher, irischer Musiker zu überzeugen, sich unserem Kampf anzuschließen, ihm ihre Stimme zu leihen. Sogar jemand, der tatsächlich ein Befürworter Papst Johannes Paul II ist. Und mir entgegnete eine Mauer von Desinteresse. Ich denke, es ist irgendwie kriminell, dass die einflussreichsten, irischen Musiker nichts tun. Und was mich am meisten ärgert ist, dass derjenige, der den Papst stets befürwortet hat, jemand ist, der ständig vom Glauben an Gott spricht. Meine Meinung ist, als Künstler, wedele nicht mit deinem f**** Grammy herum während du die ganze Zeit vom Glauben an Gott sprichst, wenn du nicht gewillt bist, auf die Straße zu gehen und dich in deinem eigenen Land für die Ehre Gottes einzusetzen, wenn deine Kirche kleine Jungen missbraucht hat. Ich habe nichts gegen sie persönlich. Aber es ist an der Zeit die Dinge so zu sagen, wie sie sind.“

Die Dinge so zu sagen, und zu singen, wie sie sind, dass ist das, was Sinead O’Connor in den letzten 25 Jahren am besten getan hat. „Ich vergleiche meine Alben nicht gerne“, fährt sie fort, „aber ich denke bei diesem schwingt eine Art Zuversicht mit. Ein paar Jahre lang hatte ich mich wirklich zurückgezogen und ich glaube, ich war nicht selbstbewusst genug ich selbst zu sein, weil ich jedes Mal kritisiert wurde, wenn ich etwas tat. Mir scheint, dass ich mit diesem Album selbstbewusster damit bin ich selbst zu sein. Diese Erkenntnis gewinnt man über die Jahre. Weißt du was,“ lacht sie, „Fuck off!“

Die unverwüstliche, unersetzliche Sinead O’Connor. Wie wär’s, wenn sie sie ist und wir einfach dankbar dafür sind.

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