Seth Lakeman

Album: Hearts & Minds

VÖ: 27.08.2010

Label: India Records

Vertrieb: Rough Trade

 

Seth Lakeman ist ein verdammt smarter Bursche. Seit Jahren gilt der begnadete Sänger, Songwriter und Multiinstrumentalist aus der Grafschaft Devon, der besonders auf der Violine richtig aufblüht, als einer der talentiertesten und wegweisendsten Folkmusiker Englands. Spätestens mit seinem neuen und nunmehr fünften Album „Hearts And Minds“ hat Lakeman, dessen Erfolgskurve in den letzten Jahren stetig gestiegen ist, einen wahren Quantensprung in seiner ohnehin schillernden Karriere gemacht. Das liegt einerseits an seinen neuen Songs, die persönlich motiviert, jedoch wesentlich universeller wirken denn je und die neben den für ihn typischen Mythen seiner Heimat höchst zeitgemäße Themen aufgreifen, andererseits auch daran, dass er mit Tchad Blake (Elvis Costello, Peter Gabriel, Tom Waits) einen Produzenten gewinnen konnte, der es aufs Beste versteht, den künstlerischen Horizont seiner Schützlinge intuitiv zu erweitern. So muss man Seth Lakeman nicht mehr nur als „new folk hero“ (The Times) betrachten, sondern als einen vielgestalten Künstler, der der aktuellen Musikszene mit viel Esprit neue und erfrischende Impulse verleiht.

Das beginnt schon mit dem Titelsong von „Hearts And Minds“, einer harschen Abrechnung mit jenen Institutionen, die die Finanzkrise ausgelöst haben. Die Beschäftigung mit den Notlagen der ehrlich arbeitenden Bevölkerung und der Dringlichkeit des Gemeinschaftssinns in harten Zeiten kommt auch in anderen Songs wie „The Watchman“ und „Hard Working Man“ zur Geltung. Da spürt man, dass Seth Lakeman diesmal bewusst seine Herzensangelegenheiten in die Waagschale seines künstlerischen Schaffens gelegt hat. „Das ist schon ein prekäres Thema, aber es ist definitiv auch sehr präsent“, erklärt Lakeman. „Freunde von mir haben ihre Jobs verloren und die Art und Weise, wie die Menschen von der Finanzkrise betroffen worden sind, hat mich darüber nachdenken lassen, wie Musik die Menschen vereinen kann und für ihre Überzeugungen kämpfen lässt. Mir geht es weniger um Politik als um den Spirit, darum, wie man Menschen aus einem bestimmten Grund zusammenbringt. Folkmusic steht für die Gemeinschaft von Menschen, sie handelt von ihnen, stammt von ihnen und ist für sie gedacht. Deswegen ist ‘Hearts And Minds‘ auch der Schlüssel- und Titelsong des Albums.“

Dass Lakeman auf „Hearts And Minds“ derart zeitgemäße Themen aufgreift, erklärt nur zum Teil, dass dieses Album so stark im Einklang mit der Stimmung dieser Tage steht. Nach der Mercury-Prize-Nominierung für sein Album „Kitty Jay“ im Jahr 2005 und den zwei BBC Folk Awards für sein prächtiges Nachfolgealbum „Freedom Fields“ gelang ihm im Sommer 2008 mit dem UK-Top-Ten-Erfolg seines von der Kritik hoch gelobten Albums „Poor Man’s Heaven“ der bis dato größte kommerzielle Erfolg. Seitdem hat sich die Musikwelt spürbar zu seinen Gunsten verändert. Die jüngsten Erfolge von Acts wie Mumford & Sons, Noah & The Whale und Laura Marling fallen in die Zeit, in der auch Seth Lakeman sein Durchbruch gelungen ist. Auch wenn er zu bescheiden ist, sich dies als seinen Verdienst anzurechnen, besteht kein Zweifel, dass er entscheidend dazu beigetragen hat, dass Folk mit all seinem Reichtum und seinen Möglichkeiten heutzutage wieder immensen Zulauf hat und ungemein populär ist. „Instrumente aus Holz sind wieder cool“, frohlockt er. „Banjos, Mandolinen, Akustikgitarren und Violinen sind wieder richtig beliebt, so dass ich sehr froh bin, meiner Sache treu geblieben zu sein.“

Seth Lakemans Musik fundiert grundsätzlich auf seinen mitreißenden Performances – da bildet auch „Hearts And Minds“ keine Ausnahme. Während seiner weltweiten Konzerttournee zu Beginn des Jahres 2009 hatte sich der Musiker drei Monate Auszeit
genommen und im Zuge eines kreativen Hochs gleich 25 Songs geschrieben. Noch bevor er wieder zurück auf Tournee ging, nahm er mit seiner Band Demos auf, um den Songs unterwegs noch mehr Kontur zu verleihen. Gegen Ende des Jahres, zwei Tage nach Beendigung der Tour, ging er direkt ins Studio, um „Hearts And Minds“ in Angriff zu nehmen.

Während er alle bisherigen Alben daheim in Devon respektive Cornwall aufgenommen und gemeinsam mit seinem Bruder Sean produziert hatte, vertraute er diesmal seine Songs dem renommierten amerikanischen Produzenten Tchad Blake an. In den Giant Wafer Studios mitten in Wales wurden im November 2009 in nur zwei Wochen 20 Songs aufgenommen. „Mit Tchad verhielt es sich so, dass er jeden Song, der nicht nach spätestens fünf Takes stand, einfach fallen gelassen hat“, erinnert sich Lakeman. „Ihm ging es vor allem darum, den besonderen Moment einzufangen. Das war ganz schön cool, recht ausgefallen und hat den Sound gefördert. Was die Produktion betrifft, hatte ich immer gemeinsam mit Sean das Sagen, und jemanden zu fragen, der so profiliert, ambitioniert und erfahren ist wie Tchad, war für uns schon eine große Sache. Es war einfach aufregend, ein richtiges Abenteuer. Irgendwie war es auch erfrischend, weil ich mich besser auf mein Songwriting konzentrieren konnte und auf ein experimentierfreudigeres Spiel, statt mir über das endgültige Resultat Gedanken zu machen. Das nahm auch den Druck weg.“

Das Resultat ist von denkbarer Vielfalt und schlichtweg umwerfend. Nach dem sehr rock- und rhythmusbetonten Album „Poor Man‘s Heaven“ öffnet sich „Hearts And Minds“ auf unterschiedlichste Weise neuen Klangstrukturen und Songtexturen, die weit über das Folk-Genre hinausweisen, und überzeugt durch wundervolle und detailfreudige Arrangements. Neben Seths angestammter Band, bestehend aus seinem Bruder Sean an der Akustikgitarre, Simon Lea am Schlagzeug und Ben Nicholls am Kontrabass, wurde noch der Multiinstrumentalist Benji Kirkpatrick von der Formation Bellowhead als vollwertiges Bandmitglied hinzugezogen. Dessen Beiträge (Mundharmonika, Banjo und Backgroundgesang) betrachtet Seth Lakeman als einen der wesentlichen Faktoren dafür, dass „Hearts And Minds“ so ausgereift klingt. „Allein melodisch ist das ein absoluter Fortschritt“, so Lakeman. „Das klingt wirklich mehr nach einer Band im Stile von Dave Matthews, nach einer englischen Folkrockband. Da gibt es dieses wunderbare Banjo und dazu kongenialen Backgroundgesang und richtig kraftvolle Refrains. Das hat der Platte wirklich gut getan und mir als Songwriter neues Selbstvertrauen gegeben. Ich wollte unbedingt, dass es nach einer richtig starken Band klingt.“

Bei den ruhigeren Songs finden die Musiker zu einer Gelassenheit und Intensität, die wahrlich atemberaubend ist. „Changes“, aufgebaut um einen gespenstisch anmutenden Basslauf, wirkt ganz bedächtig, nahezu spartanisch und ist doch ungemein hypnotisch, besonders durch Seths Pizzicato-Spiel auf seiner Violine und seinen beschwörenden Gesang. „Spinning Days“ hingegen, ein eindringliches Lamento auf gefallene Soldaten, erzeugt seine besondere Atmosphäre mit sanft staubtrockenem Gitarrenspiel. „The Circle Grows“, das an John Martyn erinnernde große Finale des Albums, wartet schließlich wieder mit düsterem und unheimlichem Unterton auf, um diesem Song über Betrug und Korruption das richtige Korsett und dem Sprichwort „Des einen Leid ist des anderen Freud“ ein musikalisch adäquates Profil zu verleihen.

Während Lakeman die durch die Finanzkrise ausgelöste Misere seiner Freunde mit Wut und Leidenschaft kommentiert, sieht er sich im gleichen Maße viel stärker befähigt, auch nach innen zu schauen. „Als ich mit dem Songwriting begann, habe ich zunächst mit dem Geschichtenerzählen experimentiert und mich oft auf meine Herkunft bezogen, aber nun habe ich einen bedeutenden Schritt in Richtung eines Singer-Songwriters gemacht, der definitiv viel subjektiver und persönlicher schreibt. Das hat viel mit dem zu tun, was in meinem Leben passiert ist. Ich fühle mich persönlich viel stärker geerdet und das hat mir das nötige Selbstvertrauen gegeben, meine eigenen Gedanken besser zum Ausdruck zu bringen.“

So wirken die Liebeslieder auf „Hearts And Minds“ denn auch wie kleine Freudensprünge, allen voran „Tiny World“: mit seiner putzmunteren Geigenmelodie und dem unwiderstehlichen Mitsingrefrain fürwahr ein potentieller Sommerhit. „See Them Dance“
ist ein nicht minder das Herz erfüllender Song, bei dem Geige und großartige Rhythmen den Ton angeben. Und „Tender Traveller“ zeichnet auf bemerkenswerte Art und Weise Lakemans persönliche Reise nach, seinen „winding pathway“, auf dem er als Songwriter on the road über Jahre gereift ist, ohne das Bewusstsein für den Seelenfrieden zu verlieren, den er bei jeder Rückkehr in seine Heimat findet.

Auch wenn auf „Hearts And Minds“ denkbar weit gefasste Themen aufgegriffen werden, ist auf dem neuen Album seine enorme Heimatverbundenheit immer wieder spürbar. Schließlich ist Seth im beschaulichen Dartmoor aufgewachsen, wo seine Eltern einen florierenden Folk-Club betrieben. Schon in seiner Jugend hatte er mit seinen beiden Brüdern Sean und Sam musiziert. Mit all den Geschichten, Legenden und Mythen seiner heimatlichen Umgebung war er schon früh vertraut. „Hearts And Minds“ wäre wohl kein waschechtes Album von Seth Lakeman, würden nicht auch hier wie so oft in seiner Vergangenheit ein paar jener mystisch-mythischen Geschichten auftauchen, die seit Generationen unter Familien und Freunden weitergereicht werden. So erzählt er in „Preacher’s Ghost“, musikalisch vage an die Countrymusik aus den Appalachen angelehnt, die Geschichte von Billy Bray, einem Bergmann aus dem Cornwall des 19. Jhdts., der sich vom Trunkenbold zu einem berühmten Methodistenprediger entwickelte. Die Geschichte basiert auf dem Buch „The King’s Own Son“, das Lakeman von seinem Großvater geschenkt bekommen hat. Noch magischer wirkt „Signed And Sealed“, die Geschichte von Jan Tregeagle, einem grausamen Magistraten aus dem 17. Jhdt., der einen Pakt mit dem Teufel eingeht und dessen verfluchte Seele seitdem durch das Bodmin Moor geistert.

Diese Mischung aus Mythen vergangener Zeiten, zeitgemäßer gesellschaftlicher Relevanz und lyrischer Poesie macht „Hearts And Minds“ zu einem einmaligen Album, mit dem Seth Lakeman einen „bedeutenden Schritt nach vorn“ (Uncut) vollzieht. „Musik muss mit einem selbst wachsen, muss sich mit dir selbst bewegen“, lautet Lakemans eigenes Fazit. „Wir haben als Band definitiv einen Gang hoch geschaltet und das gilt auch für mich als Songwriter. Das Album ist universeller, denn ich will, ist, dass mehr Menschen ihre Freude daran haben.“ Seth Lakeman ist mit „Hearts And Minds“ als Songwriter, der für den stilübergreifenden Folk unserer Zeit neue Maßstäbe zu setzen weiß, vollends zur Entfaltung gelangt. Mag er auch seine jüngste Single „Tiny World“ nennen, seine Musik ist ein Universum für sich. Unsere Herzen zu gewinnen und unser Bewusstsein zu schärfen, dürfte ihm mit diesem Meisterstreich spielerisch leicht gelingen.

© 2010 India Records

www.sethlakeman.co.uk

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