Scenic Route to Alaska – „Long Walk Home“

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Album: „Long Walk Home“
VÖ: 23.09.2016
Label: R.D.S.
Vertrieb: Rough Trade

Substanz und Zugänglichkeit werden häufig als gegensätzliche Pole gehandelt, wenn es um Popmusik geht. Umso erstaunlicher, wenn eine Band wie Scenic Route to Alaska dann doch so mühelos üppige Portionen von beidem liefert.

Auf Long Walk Home, der bald erscheinenden dritten LP der Prärie-Indie-Formation, schlängeln sich eingängige Vocals und einprägsame Melodien durch komplexe Arrangements – die sofort überzeugen und gleichzeitig danach flehen wieder und wieder gehört zu werden. Eine begehrte Kombination innerhalb der gedrängten Indie Rock-Sphären – und eine, die selten das Ergebnis von irgendetwas anderem als Zeit, Talent und haufenweise harter Arbeit ist. Selbstverständlich sind Scenic to Route to Alaska gutfreund mit jedem Teil dieser Gleichung.

Das unbekümmerte Trio aus Edmonton – bestehend aus Trevor Mann für Gesang und Gitarre, Drummer Shea Connor und Bassist Murray Wood – hat die Instrumente erst in frühen Teenie-Jahren aufgenommen, ihnen dann aber keine Schonung gegönnt. Sie haben eine Band gegründet und gemeinsam begonnen zu proben, erst mit einer Menge Rhythm and Blues und Rock and Roll-Cover für Hochzeiten und kleine Shows. Lange hat es nicht lange gedauert bis sie schwer gefragt waren, auch als eine Art Session Band sämtlicher lokaler Künstler unzähliger Genres. 2010 dann, bekannt mit der Szene und wirklich jedem Venue in der Stadt, haben sich die drei engen Freunde den Spitznamen Scenic Route to Alaska zugelegt – ihre eigenständige und organische Interpretation von Folk-inspiriertem Indie Pop war geboren.

Ihren frühen Veröffentlichungen – eine selbstbetitelte 2011er EP und der 2012er Langspieler All These Years – liegt die Jugendlichkeit der Band und ihrer Mitglieder inne, die sie den Jahren gemeinsamen Musikmachens und der eng-geknüpften Freundschaftsbande verdanken. Aufmerksamkeit und Lob flogen ein und verschafften ihnen Auftritte bei so prestigeträchtigen Veranstaltungen wie dem Edmonton und Canmore Folk Festivals und  CMW. 2014 konnten sie sich mit Warrington in noch höhere Sphären katapultieren, ernteten großes Lob und die Möglichkeit, Shows mit Zeitgenossen wie Hey Rosetta!, Said the Whale, und Born Ruffians zu spielen. Hinzu kamen zustimmendes Kopfnicken beim WCMA als Pop-Album des Jahres und Finalpositionierungen in der jährlichen Ausgabe von Alberta’s Peak Performance Project.

Anfang 2016 betraten sie gemeinsam mit Howard Redekopp (Tegan & Sara, The New Pornographers) die Monarch Studios in Vancouver um das elf Songs umfassende Long Walk Home aufzunehmen. Die Platte setzt da an, wo Warrington aufgehört hatte, kondensiert den straffen und dynamischen Live-Sound, rühmt sich aber gleichermaßen mit einer sorgfältiger ausgearbeiteten und dynamischeren Produktion als jede vorherige Veröffentlichung.

Der vor Energie strotzende Opener „Coming Back“ bildet den perfekten Einstieg für die Erwartungshaltung an den Rest des Albums: eine Menge Gruppenvocals und Lieder zum Mitsingen, festgehalten von fröhlichen Melodien und beeindruckendem musikalischen Können. Das radiotaugliche „Love Keeps“ indes klingt nach einem Wintersleep Cover der klassischen Pearl Jam, während die langsam aufglühenden „Taking Its Toll“ und „Home Stretch“ Mann’s Textfertigkeit über schimmernden und geradeaus gerichteten Gitarrenleads in den Mittelpunkt stellt und seine Fähigkeit unterstreicht, von Fokussierung und Zerbrechlichkeit hin zu kompletter Ekstase zu schwanken.

Thematisch untersucht Long Walk Home den symbolischen Kreuzweg entlang ihrer malerischen Route gen Norden – eine von lebenslangen Freunden und Musikern, die immer weiter geradeaus läuft, während ihre Kumpels Häuser kaufen und Kinder bekommen. Nenn’ es sowas wie eine Quarter-Life-Crisis – auch wenn ihre Erfahrungen derselben nie zu ernst wird.
Am besten sichtbar wird das auf der Bühne, wo die Energie greifbar und der Spaß ansteckend wird. Immer eingespannt in einer Synkope, die nur von einem großen gemeinsamen Gedächtnis stammen kann, hüpft die Band mit Leichtigkeit von Balladen und hinterlässt einen bleibenden Eindruck bei jeder Art von Publikum das ihnen gegenüber sitzt.

Am besten lässt sich die Band vielleicht durch Gegensätzlichkeit beschreiben: jung aber reif, neugierig aber gefasst, nahbar aber substanziell. Eine derartige Balance existiert viel zu selten in dieser Szene, aber glücklicherweise berührt Scenic Route to Alaska genau da mit ihrem eigenen Stil.

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