Malajube “Montreal -40°C”

Ist es eigentlich ignorant, wenn man kein Wort von Liedtexten versteht und es einem letztlich doch völlig egal ist? In diesem Fall gar ein gymnasial geschulter Fall von höchst ignoranter Frankophobie (was im Duden als „Haltung“ bezeichnet wird)? Es geht doch auch ohne. Schon die Kleinsten singen begeistert bei den Beatles mit, ohne ein Wort zu verstehen. Globalisierte Popmusik (z.B. Shakira oder so Designerpubertätswut wie Linkin Park) „funktioniert“ auf der ganzen Welt bis in die letzte Ecke des Kinderzimmmers. Und ich will verdammt sein, aber neulich gab’s zu lesen, dass our very own Magdeburger Tokio Hotel in Frankreich Stars sind und hunderttausende Platten verkaufen (wir sind demnach nicht nur Papst und Oscar sondern jetzt auch Pop!!). Es ist also letzendlich egal, was da gesungen wird, Hauptsache es entsteht eine (Ver-)Bindung zwischen Hörer und Gehörtem.

Enter MALAJUBE aus Montreal. Die singen auf Französisch und es ist zum ersten Mal völlig egal. Ihre Lieder platzen förmlich aus ihnen heraus. Sie wissen sich kaum zu bändigen, ihre Musik noch etwas weniger, und sie sind generell der pure Wahnsinn. Auf Französisch. Egal.

Es ist wieder einmal (ohne jetzt langweilen zu wollen) die Geschichte vom ersten Mal. Zum ersten Mal explodiert eine französischsprachige Underground-Band aus ihrem traditionell begrenzten Markt Quebec heraus, zunächst über ganz Kanada (es regnet Preise), dann in die USA (es schneit Medienhysterie). Jetzt kommen sie endlich ganz gewaltig auf uns zugerollt. Im März war Europa Premiere in Paris (von Arcade Fire ins legendäre Olympia eingeladen!!), ab April und Mai dann in ganz Europa. Selten wird uns eine Band so aus den Händen gerissen! Selten sind die Reaktionen so messbar direkt, die Freude so groß. In Frankreich stehen sie natürlich schon Kopf. Die Les Inrockuptibles dieser Welt und die Magics. Aber wenn selbst die schwierigen, selbstzufriedenen UK Medien in Overdrive schalten und der Band die roten Teppiche nur so ausgerollt werden, dann muss es schon etwas Besonderes an sich haben, das Phänomen MALAJUBE. Oder was bringt einen britischen MTV Mitarbeiter dazu uns ungefragt diesen Satz in die Inbox zu diktieren: „ Aw I fucking LOVE Malajube!!!! Bought the album on import about 4 or 5 weeks ago, its fan-bloody-tastic. Even though I can barely understand a word!!“

Wir kennen die Antwort: „Montréal -40°“. Als ob Franz Ferdinand zusammen mit Mars Volta jammen, in Plastic Bertrands Garage. Oder „Fille À Plumes“! Aufgekratzte Aliens haben endlich Feierabend und leiten das Wochenende in ihrer lokalen Mutanten Disko ein. So klingt das dann und nicht anders. Oder „La Monogamie“, der hat ein Classic Rock Intro, wie es schlimmer nicht sein kann. Die hier aber dürfen das, denn sie nehmen den Song eh nur Sekunden später auf eine ganz andere Reise mit. Jedes Lied erlebt eine Schleife, eine Kurve, als ob die Band sich vor einer eigenen Geradlinigkeit fürchten würde. Jetzt schnell mal was ganz anderes machen. Die einzelnen Songparts werden jedoch nicht aneinender gereiht, sie explodieren förmlich ineinander. Der Wahnsinn hat nicht nur Methode, der hat vor allem kübelweise Inspiration und Deepness. Einfach großartig! Bitte, da kommt gerade der Schlußpart von „La Monogamie“, eine ausgemachte Metal-Oper. Neulich mit irgendwem überlegt, ob MALAJUBE wohl Voivod kennen. Aber es wird nie testosteronig oder dickhosig. Diese Jungs bleiben bei aller durchgeknallten Arrangeurskunst nachvollziehbar. Hier droht nicht das Problem, Musikantenschaft als Selbsbeweihräucherung. Hier schaukeln sich Inspiration und Irrsinn gegenseitig hoch. Wie könnten wir nach diesem Album bei City Slang jemals wieder eine Platte veröffentlichen, die weniger ist. Die nur Durchschnitt ist? Vielleicht sollten wir jetzt einfach schnell Schluß machen.

Malajube sind:
Julien Mineau (vocals, guitars) – Francis Mineau (drums) – Thomas Augustin (keyboards, vocals) – Mathieu Cournoyer (bass) – Renaud Bastien (guitar,keyboards)

Dennis Kastrup [DK]: Everyone points out that it is so special to sing in French and having success with it. Why shouldn´t you sing in French? It is your mother tongue!
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[DK]: I agree there have been so many artists that had success with French singing
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[DK]: How is it to grow up bilingual?
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[DK]: Do you feel yourself more connected to the music of the French or of the Anglo-Speaking?
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[DK]: I have the impression that your music is so packed. It is like a big wall of sound that catches you. Can you connect to that?
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[DK]: I have read that Malajube was originally just a fun project. Is it important to do it this way; so that there are no expectations?
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[DK]: But do you feel yourself trapped sometimes when you are in the studio?
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[DK]: Is he a dictator?
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part 2 of the answer
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[DK]: A lot of the songs change the beat and rhythm. You get the impression that you wanted something else in it. How do they come up?
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part 2
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[DK]: What does Satan look like? Like drugs?
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[DK]: What do you exactly mean with Satan is there?
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[DK]: This is what „Casse-cous“ is about?
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[DK]: Are diseases a theme or a concept of the whole album?
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[DK]: Everybody is saying that you can listen to your music without knowing the lyrics and then you come along and tell me those interesting facts about them…
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[DK]: Other artists from other bands are involved in your music. Like „The Dears“…
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[DK]: If you reflect yourself what development do you see with your band?
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part 2
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[DK]: Your videos and outward appearance seem to have a slightly magical and ancient touch: a witch is taking part and also ancient fighters. Do you like that stuff?
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[DK]: First Album was not that serious…
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DK]: The Canadian Government helps musicians to go on tour. So did it in your case…
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[DK]: Is that the reason why so many Canadian bands are successful?
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About each song: jus de canneberges
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About each song: montreal -40°C
frage 26.mp3
About each song: pate filo
frage 27.mp3
About each song: le crabe
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About each song: le crabe
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About each song: la monogamie
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About each song: ton plat favori
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About each song: la russe
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About each song: fille a plume
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About each song casse cou
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Das Interviewtranskript auf deutsch und in englisch.
Malajube Interview Transkript.doc


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