Jens Friebe

Album: Abändern

VÖ: 08.10.2010

Label: ZickZack

Vertrieb: Indigo

 

 „Woran arbeiten Sie grade?“ fragte „Die Zeit“ vor etwa einem Jahr ausgesuchte Künstler der Republik, unter ihnen Jens Friebe. Ein Teil seiner Antwort lautete: „An neuen Liedern.“ Friebe hat sein Versprechen nun wahr und uns mit seinem vierten Album ein großes Geschenk gemacht. Obgleich die gleiche Kernbesatzung wie auf dem vielgerühmten Vorgänger „Das mit dem Auto ist egal, Hauptsache dir ist nichts passiert“ (Berend Intelmann am Mischpult, Chris Imler am Schlagzeug) hören wir einen anderen Klang:

 

Friebe spielt Klavier. Er spielt es nicht als die lahm viertelnde Balladenmaschine, zu der das Instrument in der jüngeren Popgeschichte verkommen ist, sondern in der wilden Tradition Little Richards. Vor allem auf Songs wie „Reste“ und „Verbotene Liebe“ zelebrieren Imler und er harmonisch-chaotisch die drei Sp des Improvisationstheaters: Spielfreude, Spontaneität und spinnerte Breaks. Sein Meisterstück als Arrangeur macht Imler mit dem heimlichen Titelsong des Albums „Up and Down“, eine Unplugged-Version des Venga Boys-Klassikers. Statt „up and down“ sagt der von Julie Miess angeführte Chor „abändern“, und indem er es sagt, ändert er ab. Im Gegensatz zu „auf und ab“, heißt „abändern“ Fortschritt, und die mickrige Vorsilbe „ab“ entmythologisiert das aufgeladene „ändern“ und lässt es dadurch wieder als etwas Mögliches erscheinen.

 

Friebes Möglichkeiten scheinen unbegrenzt. So sind etwa die Liebeslieder die schönsten und schlausten deutschsprachigen seit mindestens drei Jahren (also seit dem letzten Friebe-Album). „Theater“ erinnert musikalisch an Velvet Underground, O.M.D und Suicide, verfügt über eine fast schon diabolisch eingängige Refrainmelodie und feiert das Zusammen-zu-Hause-Bleiben. „Sei Mein Plus Eins“ mischt waghalsig Rock´n´Roll mit R´n´B und feiert das Zusammen-Weggehen. „Charles de Gaulle“ ist in seiner gebrochenen Chansonhaftigkeit eine Art Sequel von „Jeu de Cons“ und feiert mit Versglanz das Trennen: „Und die Jahre, die wir brauchen, bis wir uns davon erholen, ziehen vorbei wie fremde Koffer auf dem Band im Charles de Gaulle. Und die Lotsen winken den Piloten Lebewohl.“

 

„Irre“ ist ein Beispiel für die abseitige Seite der Platte, die unerschrockene, erschreckende Seelenkunde in der Folge Scott Walkers. Es beschreibt den Besuch in einer Nervenklinik, stößt den Hörer in düstere Untiefen und zieht ihn zugleich durch den floralen Gesang der Almut Klotz (Lassy Singers, Klotz+Dabeler) hinan in verstrahlte Seligkeit.

 

Komplex und verweisreich, zugleich aber unmittelbar euphorisierend ist „Königin im Dreck“. Es ist eine Liebeserklärung an Ronald M. Schernikau, den schwulen, kommunistischen, ärgerlich früh verstorbenen Dichter. Als dieser in seinem Hauptwerk „Legende“ (aus dem die meisten Bilder des Liedes stammen) fragte: „Was macht eine Königin im Dreck?“, benannte er die Lage der Menschheit unter ihren Möglichkeiten im Allgemeinen, die des Aktivisten im Westen im Besonderen, und irgendwie, weit vorausahnend, auch die von Jens Friebe, der nach all den Jahren immer noch zwischen allen Stühlen….thront. Erweisen Sie ihm die Ehre.

 

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