Enik

Anti Anti Anti

VÖ: 19.08.11

Studio Babushka / Rough Trade

 

 

 

Das Schöne an Popmusik ist ja, dass sie einen immer wieder überrascht. Immer dann, wenn man glaubt, alles gehört zu haben, haut sie einem etwas Gewaltiges um die Ohren, dass es scheppert!
Enik ist einer dieser Künstler, die mit größtem Vergnügen Rahmen sprengen. Für die es selbstverständlich ist, Stile zu vermengen, als gäbe es keine Genres. „Kunst lebt von Kontrasten“, sagt der 30-Jährige, der Musik macht, seit er denken kann. So lässt er in seinen Videos alte, dicke Männer abrocken oder platziert schon mal eine Drag-Queen im Wald. „How To Trash Expensive Cars“ heißt der explosive Opener seiner neuen Platte. Ein Titel voller Gegensätze, mit einem Sound voller Gegensätze. Da tanzen Synthies und Stimmverzerrer Pogo mit dem jaulenden E-Gitarren-Riff, darüber wirft sich Eniks extrovertierter Gesang, den er selbst humorvoll als„Ausdruckstanz“ beschreibt. Der schrille Indie-Pop des Münchners schlägt Alarm. Hierzulande und überall. Er ist ein Ausrufezeichen in der Musiklandschaft.
Der wunderbar bizarre Titel „I Sold My Moon Boots To A Girl From Greece“ markiert Eniks zweites Soloalbum, das physisch herausgebracht wird. Davor sorgte er mit seinem Debüt „The Seasons in Between“(Labels/EMI) 2006 für Furore. Ausserdem entstanden zwei EPs („Without A Bark“, wonder rec., „Antenna“ Labels/EMI) sowie Kooperationen mit dem Elektroduo Funkstörung (K7!), mit dem er erfolgreich durch fünfzehn Länder tourte und viele neue Fans aus aller Welt gewann.
Mit seinem neuen Album, das „mehr nach draußen will“, wie Enik sagt, hat er Klarheit gesucht und einfache Schönheit gefunden. „Ich habe mich lange genug mit komplexen Dingen beschäftigt, egal ob akustisch oder elektronisch“, erzählt er. Und tatsächlich kamen seine früheren Songs vertrack- ter, sperriger, elektronischer daher. Nun widmete er sich den großen Songwrit- ern, also den Dylans, Reeds, Caves und Cohens dieser Welt statt wie früher Aphex Twin oder Frank Zappa. Ein Umbruch für den Komponisten und Multiinstrumentalisten.
Ein Umbruch, der deutlich zu hören ist. So ist die Platte, die Enik selbst produziert und in seinem Studio fast im Alleingang eingespielt hat, durchzo- gen von starken, mitunter reduzierten Songs im Stile eines eindringlichen Songwriters. Intensive Balladen wie „People Are Bad“, „Wasting Beauty”, „Shake Off Your Past” oder „Get Me Laid In San Francisco” bringen die vielleicht größte Stärke des 30-Jährigen auf den Punkt: ehrliche Gefühle und unendliche Liebe zur Musik.
Daneben gibt es jene Songs, die vor massiver Energie strotzen wie „The Monkey Wheel“, „Anti Anti Anti“ oder „The Place My Songs Came From“. Schrill, schräg, schön – das gilt auch für Eniks „neurotische Version“ von The Cures.

Übrigens: „Anti Anti Anti“ war der offizielle Titel-Song für den aktuellen „Red Bull District Ride“ – und wird seitdem von Fans gefeiert!

 

 

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